

Ein leerstehendes Gebäude konnte Freiheit bedeuten. Oder Arbeitsplatzverlust. Eigentum. Angstraum. Möglichkeitsraum. Einen Rave. Einen neuen Anfang.
Was die Jahre rund um den Mauerfall und die Wiedervereinigung bedeuteten, hing davon ab, wer sie erlebte, von wo aus und unter welchen Bedingungen. Gesellschaftliche Strukturen lösten sich auf, Eigentumsverhältnisse verschoben sich, Räume verloren ihre bisherigen Funktionen und wurden neu besetzt. Vertrautes verschwand, während neue Möglichkeiten entstanden. Für Ostdeutschland bedeutete 1989 darüber hinaus eine Transformation nahezu aller Lebensbereiche.
Tanzflächen der Wiedervereinigung betrachtet diese Zeit von den Orten aus, an denen gesellschaftlicher Wandel unmittelbar erlebt und mitgestaltet wurde: von temporären Tanzflächen, Clubs, Jugendclubs, besetzten Häusern und selbstorganisierten Räumen in Berlin und Ostdeutschland.
Dabei verstehen wir 1989 als politische Zäsur, aber nicht als kulturellen Nullpunkt. Szenen, Netzwerke, Freundschaften und Formen der Selbstorganisation existierten bereits in der DDR und BRD und trafen nach dem Mauerfall auf grundlegend veränderte Bedingungen. Bestehende Strukturen verschwanden, neue Freiräume entstanden, Menschen eigneten sich Orte an, entwickelten neue kulturelle Praktiken und erprobten andere Formen von Gemeinschaft.
Die prägenden Geschichten von Aufbruch, temporären Räumen und der entstehenden Berliner Club- und Technokultur sind Teil dieser Geschichte. Gleichzeitig existierten viele andere Realitäten: in kleineren Städten und ländlichen Regionen Ostdeutschlands, in Punk- und Hip-Hop-Szenen, Jugend- und Subkulturen, in queeren, migrantischen und Schwarzen Communities. Nicht alle erlebten die neuen Freiheiten auf dieselbe Weise. Aufbruch und Verlust, Euphorie und Unsicherheit, Aneignung und Verdrängung, Freiheit, rechte Gewalt und Ausschluss existierten gleichzeitig.
Diese Gleichzeitigkeit und Vielstimmigkeit bilden den kuratorischen Ausgangspunkt der Ausstellung.
Deshalb versucht Tanzflächen der Wiedervereinigung nicht, unterschiedliche Erfahrungen zu einer einzigen, linearen Geschichte zusammenzuführen. Persönliche Erinnerungen stehen neben historischen Dokumenten, individuelle Biografien neben gesellschaftlichen Veränderungen. Geschichten dürfen sich ergänzen, überlagern und widersprechen. Auch Leerstellen gehören dazu: das, was nicht dokumentiert wurde, verloren gegangen ist oder bisher selten als Teil dieser Geschichte betrachtet wurde.
Denn Geschichte entsteht nicht nur durch das, was geschehen ist. Sie entsteht auch dadurch, was erinnert, bewahrt und weitererzählt wird. Welche Bilder prägen unsere Vorstellung einer Zeit? Welche Orte werden erinnert? Welche Erfahrungen werden Teil eines kollektiven Gedächtnisses und welche bleiben an dessen Rändern?
Die Tanzfläche ist dabei unser Ausgangspunkt, aber nicht unsere Grenze.
Clubs, Jugendclubs, besetzte Häuser und temporäre Räume waren nicht nur Orte für Musik. Sie waren Orte der Begegnung und Selbstorganisation, an denen Gemeinschaft entstand, Zugehörigkeit verhandelt, Räume angeeignet und neue Regeln und Lebensentwürfe erprobt wurden. Gleichzeitig waren auch sie von gesellschaftlichen Machtverhältnissen, Konflikten und Ausschlüssen geprägt.
Gerade darin liegt für uns ihre Bedeutung als Orte gesellschaftlicher und demokratischer Aushandlung: nicht weil diese Räume automatisch frei oder demokratisch waren, sondern weil sich an ihnen Fragen danach konkret zeigen lassen, wer Räume gestalten kann, wer Zugang erhält, wer dazugehört und wer darüber entscheidet.
Diese Fragen reichen bis in die Gegenwart. Wessen Wiedervereinigung? Wem gehören Räume? Wer kann Stadt und Kultur gestalten? Welche Freiheiten entstehen in Zeiten gesellschaftlichen Umbruchs? Welche Geschichten bleiben und welche verschwinden? Wie und von wem werden die Geschichten erzählt? Und wessen Erinnerungen werden Teil unserer gemeinsamen Geschichte?
Tanzflächen der Wiedervereinigung erzählt deshalb nicht die eine Geschichte der Wiedervereinigung. Sondern viele. Gleichzeitig.


Ein leerstehendes Gebäude konnte Freiheit bedeuten. Oder Arbeitsplatzverlust. Eigentum. Angstraum. Möglichkeitsraum. Einen Rave. Einen neuen Anfang.
Was die Jahre rund um den Mauerfall und die Wiedervereinigung bedeuteten, hing davon ab, wer sie erlebte, von wo aus und unter welchen Bedingungen. Gesellschaftliche Strukturen lösten sich auf, Eigentumsverhältnisse verschoben sich, Räume verloren ihre bisherigen Funktionen und wurden neu besetzt. Vertrautes verschwand, während neue Möglichkeiten entstanden. Für Ostdeutschland bedeutete 1989 darüber hinaus eine Transformation nahezu aller Lebensbereiche.
Tanzflächen der Wiedervereinigung betrachtet diese Zeit von den Orten aus, an denen gesellschaftlicher Wandel unmittelbar erlebt und mitgestaltet wurde: von temporären Tanzflächen, Clubs, Jugendclubs, besetzten Häusern und selbstorganisierten Räumen in Berlin und Ostdeutschland.
Dabei verstehen wir 1989 als politische Zäsur, aber nicht als kulturellen Nullpunkt. Szenen, Netzwerke, Freundschaften und Formen der Selbstorganisation existierten bereits in der DDR und BRD und trafen nach dem Mauerfall auf grundlegend veränderte Bedingungen. Bestehende Strukturen verschwanden, neue Freiräume entstanden, Menschen eigneten sich Orte an, entwickelten neue kulturelle Praktiken und erprobten andere Formen von Gemeinschaft.
Die prägenden Geschichten von Aufbruch, temporären Räumen und der entstehenden Berliner Club- und Technokultur sind Teil dieser Geschichte. Gleichzeitig existierten viele andere Realitäten: in kleineren Städten und ländlichen Regionen Ostdeutschlands, in Punk- und Hip-Hop-Szenen, Jugend- und Subkulturen, in queeren, migrantischen und Schwarzen Communities. Nicht alle erlebten die neuen Freiheiten auf dieselbe Weise. Aufbruch und Verlust, Euphorie und Unsicherheit, Aneignung und Verdrängung, Freiheit, rechte Gewalt und Ausschluss existierten gleichzeitig.
Diese Gleichzeitigkeit und Vielstimmigkeit bilden den kuratorischen Ausgangspunkt der Ausstellung.
Deshalb versucht Tanzflächen der Wiedervereinigung nicht, unterschiedliche Erfahrungen zu einer einzigen, linearen Geschichte zusammenzuführen. Persönliche Erinnerungen stehen neben historischen Dokumenten, individuelle Biografien neben gesellschaftlichen Veränderungen. Geschichten dürfen sich ergänzen, überlagern und widersprechen. Auch Leerstellen gehören dazu: das, was nicht dokumentiert wurde, verloren gegangen ist oder bisher selten als Teil dieser Geschichte betrachtet wurde.
Denn Geschichte entsteht nicht nur durch das, was geschehen ist. Sie entsteht auch dadurch, was erinnert, bewahrt und weitererzählt wird. Welche Bilder prägen unsere Vorstellung einer Zeit? Welche Orte werden erinnert? Welche Erfahrungen werden Teil eines kollektiven Gedächtnisses und welche bleiben an dessen Rändern?
Die Tanzfläche ist dabei unser Ausgangspunkt, aber nicht unsere Grenze.
Clubs, Jugendclubs, besetzte Häuser und temporäre Räume waren nicht nur Orte für Musik. Sie waren Orte der Begegnung und Selbstorganisation, an denen Gemeinschaft entstand, Zugehörigkeit verhandelt, Räume angeeignet und neue Regeln und Lebensentwürfe erprobt wurden. Gleichzeitig waren auch sie von gesellschaftlichen Machtverhältnissen, Konflikten und Ausschlüssen geprägt.
Gerade darin liegt für uns ihre Bedeutung als Orte gesellschaftlicher und demokratischer Aushandlung: nicht weil diese Räume automatisch frei oder demokratisch waren, sondern weil sich an ihnen Fragen danach konkret zeigen lassen, wer Räume gestalten kann, wer Zugang erhält, wer dazugehört und wer darüber entscheidet.
Diese Fragen reichen bis in die Gegenwart. Wessen Wiedervereinigung? Wem gehören Räume? Wer kann Stadt und Kultur gestalten? Welche Freiheiten entstehen in Zeiten gesellschaftlichen Umbruchs? Welche Geschichten bleiben und welche verschwinden? Wie und von wem werden die Geschichten erzählt? Und wessen Erinnerungen werden Teil unserer gemeinsamen Geschichte?
Tanzflächen der Wiedervereinigung erzählt deshalb nicht die eine Geschichte der Wiedervereinigung. Sondern viele. Gleichzeitig.